Bildung für Frauen in Kamerun unter Druck

Wie kann ein Bildungsprogramm in bürgerkriegsähnlicher Situation weiter funktionieren? Darüber informierte Angeline Njotu aus Kamerun. Sie war am 22. Oktober bei Mission 21 für ein Podiumsgespräch zu Gast.

Das Bildungsprogramm WEELP ("Women’s Economic Empowerment and Literacy Programme") für Frauen besteht seit 2009. Im Projekt der Presbyterianischen Kirche in Kamerun (PCC) können Frauen aus der Region Bamenda, die kaum eine Chance auf Schulbildung hatten, lesen und schreiben lernen und sich beruflich weiterbilden.

Das WEELP leitet Angeline Njotu. In ihrem Referat gab sie Einblick in die bisherigen Erfolge und auch in die Schwierigkeiten, mit denen das Programm WEELP seit 2016 zu kämpfen hat. Bamenda liegt im englischsprachigen Teil Kameruns. Hier herrscht seit rund drei Jahren ein gewaltsamer Konflikt zwischen Separatisten und Regierung, dem bereits rund 2‘000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Über eine Million Menschen sind auf der Flucht.

Erfolg dank einfacher Strukturen

Das Bildungsprogramm der PCC kommt Frauen in wirtschaftlich schwieriger Situation zugute, erklärt Angeline Njotu. Ohne Bildung könnten sie nur wenig Einkommen erzielen. Der finanzielle Druck verschlechtere zudem ihre soziale Situation. In ländlichen Gebieten sind etwa 60 Prozent der Frauen Analphabetinnen. Seit 2009 haben rund 3‘600 Frauen profitiert. Dank den Kursen gewinnen sie auch an Selbstvertrauen. Eine Auswertung von 2018 zeigt, dass drei Viertel der Absolventinnen besser dran sind und etwas Geld für Anschaffungen zur Seite legen können.

Die Kurse sind einfach organisiert und auf die Bedürfnisse der Frauen ausgerichtet. Für berufliche Weiterbildungen wählen sie selbst den Kursinhalt, organisieren die Rohstoffe, die sie für das Herstellen ihrer Produkte benötigen. Oft finden die Kurse vor Ort statt. Die Leiterinnen kommen an die Wohnorte der Frauen und bilden sie dort weiter.

Einschränkungen wegen Bürgerkrieg

Die Einschränkungen durch den gewaltsamen Konflikt machen den Unterricht allerdings schwierig. Das Nutzen von Kurslokalen ist fast unmöglich, die Kurse finden bei den Frauen zu Hause statt. Es sind weniger Frauen, die zu den Kursen kommen, weil sie Gewalttaten oder Entführungen fürchten. Auch fehlt es an Unterrichtsmaterial.

Dennoch gebe man nicht auf, betont Angeline Njotu auf Nachfrage. Man könne Gefahren besser einschätzen, um das Risiko eines Kursbesuchs zu reduzieren. Dank Hilfsgeldern verschiedener Organisationen, darunter auch von Mission 21, können die finanziellen Mittel für die Kurse garantiert werden. Und positiv sei auch, dass gesellschaftliche Verhaltensweisen sich verändern. So sei man daran, traditionelle Frau/Mann-Rollenmuster aufzubrechen, indem Männer den lernenden Frauen mehr Respekt entgegen bringen.

Text: Christoph Rácz, Foto: Eva Sidler

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