Jugendliche aus Peru erzählen Geschichten über neue Formen der Männlichkeit
Mit dem Ziel, weiterhin zum Abbau struktureller Ursachen beizutragen, die die Demokratie und die Rechte von Frauen und Jugendlichen einschränken, hat das peruanische Frauenzentrum «Flora Tristán» eine wegweisende Initiative ins Leben gerufen. In ländlichen Gebieten des Bezirks Lamay (Calca) werden Jugendliche an zwei Schulen darin unterstützt, traditionelle Rollenbilder kritisch zu hinterfragen und gewaltfreie Männlichkeitsbilder zu fördern.
Das Herzstück dieser Initiative bildete der Erzählwettbewerb «Wir gestalten den Wandel: Jugendliche für Gleichberechtigung und Gewaltfreiheit», der an zwei Bildungseinrichtungen in der Stadt Lamay im Departement Cusco stattfand. Die Aktion zielte darauf ab, die Teilnehmenden zum Nachdenken über neue Formen von Männlichkeit anzuregen, um gleichberechtigte Beziehungen zwischen Frauen und Männern aufzubauen.
«Wir wollen auf kreative Weise einen Wandel der gängigen Denkweisen anstossen. Das ermöglicht es den Jugendlichen, ein Bewusstsein für die positiven Auswirkungen der Beseitigung des Machismo zu entwickeln – für ein Leben mit mehr Freude für sich selbst und ohne geschlechtsspezifische Gewalt», erklärte Elena Villanueva, Leiterin des Programms für ländliche Entwicklung der feministischen Institution, von der aus der Wettbewerb organisiert wird.
Ein Prozess für echte Veränderung
Die Initiative ist als langfristiger Prozess konzipiert und Teil des Projekts «Einsatz für die politische und wirtschaftliche Autonomie sowie die Ausübung bürgerlicher Rechte der ländlichen Andenfrauen in Calca (Cusco) angesichts der Nahrungsmittel- und Klimakrise». Dieses wichtige Engagement vor Ort wird durch ein internationales Bündnis getragen: Neben der finanziellen Unterstützung der Baskischen Agentur für Zusammenarbeit und der Begleitung durch die Organisation Mugen steht Mission 21 als verlässliche Partnerorganisation ein, um diese Prozesse nachhaltig zu stärken und zu fördern.
Insgesamt nahmen rund hundert Jugendliche teil. Sie wurden durch diesen Prozess der Information, Sensibilisierung und die aktive Mitgestaltung von Lösungsansätzen gestärkt, den Machismo zu hinterfragen. So tragen sie aktiv zu Veränderungen bei, die ein friedliches Zusammenleben in ihren Familien, zwischenmenschlichen Beziehungen und Gemeinschaften begünstigen. Jeder Jugendliche präsentierte einen persönlichen Bericht über eigene Erfahrungen im Zusammenhang mit Machismus sowie seine Erwartungen und Vorschläge für das Vorleben partnerschaftlicher Männlichkeitsbilder.
Jugendliche in Calca setzen sich in interaktiven Workshops und spielerischen Einheiten kritisch mit traditionellen Rollenbildern auseinander. Fotos: Jesusa Medrano
Hohe Toleranz gegenüber Gewalt aufbrechen
«Es ist wichtig, sich für die Stärkung und Anerkennung der Rechte von Frauen auf dem Land einzusetzen und gleichzeitig das Bewusstsein für andere Formen des Mannseins zu schärfen. Das unterscheidet sich stark vom derzeitigen Modell, das durch eine dominierende Rolle gegenüber Frauen gekennzeichnet ist. In diesem Sinne entwickeln wir Massnahmen für verschiedene Zielgruppen wie Jugendliche, lokale Kleinbauern und Handwerker sowie Behörden und Gemeindebeamte», erklärte die Expertin.
Wie dringend notwendig diese Arbeit vor Ort ist, zeigen offizielle Zahlen: Cusco ist laut der jüngsten Nationalen Umfrage zu sozialen Beziehungen (ENARES) eines der Departemente mit der grössten Toleranz gegenüber geschlechtsspezifischer Gewalt. Dort rechtfertigten beispielsweise 66 % der Männer über 18 Jahren Vergewaltigung – ein erschütternder Wert, der um 10 Prozentpunkte über dem ohnehin hohen nationalen Durchschnitt von 56 % liegt.
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