Indonesien, Ernährungssouveränität

Erwerbseinkommen für Frauen

Projektnummer: 200.1017

In Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos, lebt die einheimische Bevölkerung bisher weitgehend von der landwirtschaftlichen Selbstversorgung. Durch die massiven Umweltveränderungen sind jedoch viele Familien gezwungen, neue Einkommensquellen zu erschliessen. In den von Mission 21 unterstützten Projekten werden in erster Linie Frauen in Produktion und Vermarktung von Handwerk sowie landwirtschaftlichen und kulinarischen Produkten geschult, um das Einkommen zu erhöhen. Sie werden zudem dabei unterstützt, sich in Produzentinnengruppen zu organisieren.

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Hintergrundinformationen

In den vorwiegend ländlichen Regionen der Insel Borneo leben die einheimischen Volksgruppen hauptsächlich von der Subsistenz-Landwirtschaft. Diese ist jedoch zunehmend bedroht von Abholzung, Erosion, und der Ausbreitung von Monokulturen, insbesondere Palmölplantagen. Auch die Umweltverschmutzung durch Kohle-, Erz- und Goldabbau erzeugt verbreitet gesundheitliche Schäden.

In Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel, erwartet man grosse demographische Veränderungen durch den geplanten Aufbau einer neuen Hauptstadt. Die Zuwanderung aus andern Inseln Indonesiens hatte schon früher zu ethnischen Auseinandersetzungen geführt und wird auch in Zukunft eine grosse Herausforderung sein.

Mission 21 unterstützt auf Borneo fünf Partnerorganisationen in der Planung und Durchführung von Projekten zur Stärkung der einheimischen Bevölkerung, insbesondere von Frauen. Die Gestaltung der Projektarbeit umfasst einkommensfördernde Massnahmen. Sie stärkt ausserdem die Bildung für Mädchen, um die Zahl der Kinderheiraten zu senken. Zudem setzt das Projekt auf die nachhaltige Pflege der natürlichen Ressourcen und fördert interreligiösen Dialog. Der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Förderung liegt heute im zunehmend urbanen Umfeld Zentral- und Süd-Kalimantans.

Projektziele

Frauen erzielen ihr eigenes Einkommen aus der Produktion und dem Verkauf landwirtschaftlicher und handwerklicher Produkte unter Pflege nachhaltiger Methoden. Der Aufbau selbständiger Organisationsstrukturen bietet den Produzentinnen eine Alternative zu Lohnarbeiten in Plantagen und Konzernen unter oft ausbeuterischen Bedingungen.

Zielgruppen

Zielgruppen im ländlichen Bereich sind Subsistenzbäuerinnen, die zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen auf ein Einkommen angewiesen sind. Die Angebote im städtischen Umfeld richten sich an Frauen mit Familie, Witwen und Alleinerziehende.

Aktivitäten

• Förderung des biologischen Landbaus, der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und deren Vermarktung

• Nachhaltige Bewirtschaftung der Rohstoffe für handwerkliche Produktion, besonders Rattan

• Schulungen in Produktentwicklung, Preiskalkulation, Qualitätssicherung, Marketing und Business-Organisation

• Workshops zur Entwicklung und Produktion von Flecht-, Textil- und Kombinationsprodukten

• Erschliessung neuer Einkommensmöglichkeiten durch Lebensmittelproduktion (z.B. Gebäck, Sojamilch, Fruchtsäfte) und Restauration

• Gründung und Beratung einer interreligiösen, genossenschaftlichen Produzentinnen-Organisation mit Sitz in Banjarmasin

• Vergabe von Mikrokrediten zum individuellen oder kollektiven Geschäftsaufbau

• Vermittlung von Praktika für Produzentinnen aus abgelegenen Gegenden in regionale und nationale Produktions- und Vermarktungszentren

• Organisationsentwicklung, Schulung in kunsthandwerklichen Techniken und Marketing wird durch die Fair Trade Organisation APIKRI mit Sitz in Yogyakarta vermittelt.

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Projektfortschritt

Derzeit sind in den fünf Projekten auf Borneo 749 Frauen und 102 Männer und 6 transgeschlechtlich in Produktions- und Vermarktungsgruppen organisiert. Davon sind 250 Frauen in Banjarmasin und Umgebung als Flechterinnen von Rattan-Produkten, in der Textilbranche und dem Kulinarischen Sektor tätig. Sie verdienen durchschnittlich wesentlich mehr als den staatlich verordneten Mindestlohn für diese Region. Mission 21 unterstützt das Projekt finanziell und mit ihrem Know-how. Ueli Knecht, langjähriger ehemaliger Mitarbeiter von Mission 21, koordiniert das Programm, berät eine regionale Arbeitsgruppe und begleitet lokale Projektverantwortliche. Aus dieser Zusammenarbeit wurde in Banjarmasin Ende 2019 eine selbständige Kooperative von Produzentinnen gegründet, die auch von der Regierung anerkannt wurde. Im Rahmen eines integrierten Ansatzes wird die Projektarbeit seit 2019 durch Aktivitäten aus den Projekten Hilfe für gewaltbetroffene Frauen und Kinder (225.1008) und Berufsausbildung für benachteiligte Jugendliche (256.1004) ergänzt, um der Zielbevölkerung eine umfassendere Unterstützung zu ermöglichen. Trotz der durch die Pandemie eingeschränkten Produktionsflächen und Absatzmöglichkeiten konnten landwirtschaftliche Produktion für den Eigenverbrauch, Schulungen zur Herstellung von Textilmasken, sowie Online-Schulungen zur Organisationsentwicklung und zum digitalen Marketing eingeführt werden.