Samuel Imbach
Teamleiter und Programmverantwortlicher Asien
Tel. 061 260 23 46
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Projektnummer: 225.1008
Sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist in Indonesien und Malaysia stark verbreitet. Aufgrund fehlenden Einkommens und mangelnder Zukunftsperspektiven migrieren hunderttausende Indonesier*innen in die Nachbarländer und erfahren in dieser vulnerablen Situation oft Gewalt und Ausbeutung, wie beispielsweise in Hongkong. Dieses Projekt setzt sich für Frauenrechte und die Überwindung von geschlechtsspezifischer Gewalt ein, indem Betroffene Schutz in Frauenhäusern sowie psychologische, juristische und wirtschaftliche Unterstützung erhalten. Schlüsselakteur*innen in der Verwaltung, in religiösen Gemeinschaften sowie Lehrpersonen werden zum Thema geschult und entsprechende Anlaufstellen eingerichtet. Die überregionale Plattform für sichere und faire Migration dient dem Austausch und der Koordination unserer zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen untereinander, vernetzt sie mit Behörden und organisiert Sensibilisierungskampagnen.
Mission 21 arbeitet in Indonesien, Malaysia und Hongkong mit sechs Partnerorganisationen zusammen und fördert Projekte gegen sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt.
Frauen sind in einem allgemein patriarchalischen Kontext wie in vielen Ländern Asiens besonders verletzlich, da sie ihren Ehemännern auch zivilrechtlich untergeordnet sind. Der Ehemann gilt als Familienoberhaupt mit weitreichenden Kontroll- und Herrschaftsbefugnissen. Das indonesische und malaysische Recht macht jenen Ehepartner schuldig, der zuerst das Elternhaus verlässt, und diskriminiert damit Frauen, die mit ihren Kindern wegziehen, weil sie häusliche Gewalt erlebt haben. Kulturelle Normen, geprägt von Armut, führen in Indonesien und Malaysia zudem noch immer zur Verheiratung minderjähriger Mädchen, was als strukturelle Form von Gewalt angesehen werden kann. In Indonesien sind jährlich etwa 1,2 Millionen Frauen bei ihrer Heirat jünger als 18 Jahre, wobei Eheschliessungen oft von den Familienoberhäuptern arrangiert werden und der Wille der betroffenen jungen Frauen nicht respektiert wird.
Um ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern, suchen viele Indonesier*innen eine Beschäftigung im Ausland, beispielsweise in Malaysia, Hongkong, Taiwan, Korea, Singapur oder im Nahen Osten. Andere werden von ihren Familien sogar gezwungen, als Arbeitsmigrant*innen Geld zu verdienen. Nicht wenige erleben Gewalt durch den Menschenhandel. Um dies zu verhindern und den Migrationszwang zu mindern, unterstützt Mission 21 in Indonesien Präventionsmassnahmen. Über neun Millionen Indonesier*innen arbeiten im Ausland. 66 Prozent davon sind Frauen; sehr oft sind sie als Hausangestellte und Pflegekräfte beschäftigt.
In der Projektregion Hongkong arbeiten die rund 350’000 ausländischen Hausangestellten zumeist unter sehr schlechten Bedingungen. Mehr als 40 Prozent von ihnen stammen aus Indonesien. Der Mangel an Bildung verschlechtert insbesondere die Situation von Arbeitsmigrant*innen. Nur wenige kennen ihre Rechte und können bei Fällen von sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt oder ungesunder Situation am Arbeitsplatz Unterstützung suchen. Daten aus Hongkong deuten auf einen Anstieg der sexualisierten Gewalt durch Arbeitgebende im Jahr 2023 hin.
Malaysia hat sich zu einem der beliebtesten Zielländer für Arbeitsmigrant*innen ohne Ausbildung entwickelt. Eine grosse Zahl von ihnen reist ohne Papiere ein. Die Provinz Sabah, wo Mission 21 tätig ist, verzeichnet den höchsten Anteil von Staatenlosen in ganz Malaysia, was zu komplexen Problemen führt. In Sabah unterstützt Mission 21 von Gewalt betroffene Einwanderer*innen, insbesondere auch Kinder von Arbeitsmigrant*innen ohne Papiere. Im Rahmen des Bildungsprojektes von Mission 21 (Projekt-Nr. 256.1004) werden Kinder von irregulären Einwander*innen in Malaysia zudem in ihrer Schulbildung unterstützt. Weiter leistet Mission 21 Präventions- und Sensibilisierungsarbeit auf Gemeindeebene.
Primäre Zielgruppe sind Frauen, die in der eigenen Familie oder als Arbeitsmigrantinnen in fremden Haushalten oder entlang der Migrationskette Entrechtung, Ausbeutung und Gewalt erleben oder diesem Risiko ausgesetzt sind. Die Kinder von irregulären Arbeitsmigrant*innen in Sabah (Malaysia), gehören ebenso zur Zielgruppe. Männer werden in der Präventionsarbeit und bei Kampagnen einbezogen, denn Geschlechtergerechtigkeit kann nur erreicht werden, wenn alle gemeinsam darauf hinarbeiten.
Direkte Projektteilnehmer*innen: 5’515
Indirekte Projektteilnehmer*innen: Rund 17’400
Im vergangenen Jahr haben die Partnerorganisationen ihre präventiven und unterstützenden Angebote gegen geschlechtsbezogene und sexualisierte Gewalt deutlich gestärkt. Ein wichtiger Schritt war die Eröffnung des renovierten Rumah Damai in Kalimantan – ein sicherer Ort, der Beratung, psychosoziale Unterstützung und wirtschaftliche Stärkung von Frauen unter einem Dach vereint.
Programmweit nahmen über tausend Menschen an Sensibilisierungsaktivitäten teil. In Malaysia unterstützte der Ansatz „Sentuhan OK/Tak OK“ Kinder und Jugendliche dabei, zwischen akzeptablen und nicht akzeptablen Berührungen zu unterscheiden und zu wissen, an wen sie sich wenden können, wenn etwas nicht stimmt. Ergänzt wurde dies durch Bildungsangebote zu digitaler Sicherheit und durch die Weiterverbreitung über kirchliche Netzwerke.
In Hongkong wurde das Schutz‑ und Beratungsangebot für im Haushalt beschäftigte ausländische Arbeitskräfte weiter ausgebaut. Die Renovation der Schutzunterkunft – in Zusammenarbeit mit der Universität Hongkong und kirchlichen Partnern – ermöglichte neue, stärkende Aktivitäten. Das Team für rechtliche Orientierung begleitete mehrere hundert Frauen, unter anderem im Zusammenhang mit arbeitsrechtlichen Anliegen sowie nach dem Brand im Wang Fuk Court‑Wohnkomplex in Tai Po. Workshops zu Rechten, Trauma‑Bewältigung und bildbasierter Gewalt gaben vielen Frauen hilfreiche Werkzeuge für herausfordernde Situationen.
Gemeinsam haben diese Entwicklungen den Zugang zu Schutz, Unterstützung und relevanten Informationen deutlich verbessert.

CHF 325’000
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