Samuel Imbach
Teamleiter und Programmverantwortlicher Asien
Tel. 061 260 23 46
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Projektnummer: 200.1010
Pfarrpersonen und Gemeindeleiter*innen sind in Asien wichtige Akteur*innen auf dem Weg zu mehr Frieden und Gerechtigkeit. Sie sind Vertrauenspersonen, die in den Gemeinden oft mehr Anerkennung geniessen als Repräsentant*innen des Staates. Die Qualität ihrer Aus- und Weiterbildung steht deshalb im Zentrum dieses Projekts. Lehre und Praxis an theologischen Bildungsinstitutionen sollen die Studierenden darauf vorbereiten, mit den Herausforderungen ihrer Gemeinschaften – wie etwa Landraub, Diskriminierung von Minderheiten, Ungleichbehandlung der Geschlechter und Einschränkung der freien Religionsausübung – umzugehen.
Obwohl der Staat Religionsfreiheit garantiert, erfahren ethnische und religiöse Minderheiten in Indonesien immer wieder Einschränkungen. Das führt zu Konflikten im Alltag. In Malaysia hat der Islam als Staatsreligion politischen Vorrang, obwohl die Gesellschaft religiös und ethnisch heterogen zusammengesetzt ist. Im Bundesstaat Sabah sind 69.6% der Bevölkerung Muslim*innen und 24.7% Christ*innen. Im Projektgebiet in Sabah sieht sich die indigene, christliche Minderheit benachteiligt. Politische Opportunitäten und ein Mangel an Rechtstaatlichkeit verhindern in beiden Ländern, dass Benachteiligte zu ihren Rechten kommen. In Hongkong hat die VR China demokratische Rechte wie die Versammlungs-, Meinungs- und Wahlfreiheit in den letzten Jahren massiv eingeschränkt. Unzählige Demokratie-Aktivist*innen und kritische Publizist*innen wurden physisch bedroht und inhaftiert. Die staatliche Kontrolle über alle Bereiche des Lebens, einschliesslich der kirchlichen Arbeit, nimmt stetig zu und hat zu einer Atmosphäre der Angst und Selbstzensur geführt.
Die wichtigsten Kirchen und kirchennahen Vereinigungen in Indonesien propagieren eine kontextuelle Theologie (auch Transformations- oder Befreiungstheologie): Sie betonen die Herausforderungen des Hier und Jetzt im Gegensatz zu Versprechungen des Jenseits, die aktuelle brennende Probleme in der Gesellschaft ausblenden. Alle Partnerorganisationen von Mission 21 sind an transformativen Prozessen beteiligt, die das Bewusstsein für die aktuellen sozialen Realitäten fördern, neue kontextbezogene theologische Perspektiven entwickeln und zum Handeln in ihren Gemeinschaften aufrufen.
Viele der heutigen sogenannten “Agents of Change», darunter viele Frauen, sind ehemalige Projektteilnehmer*innen der Programmarbeit von Mission 21 und haben inzwischen Führungspositionen in Kirchen, Bildungsinstituten und kirchlichen Verbänden übernommen. Theologisch ausgebildete Fachpersonen sind in der Lage, neue Perspektiven für eine geschlechtergerechte Kirchenpolitik und neue theologische Lehrpläne zu entwickeln, die sich mit brennenden, aber lange übersehenen Problemen in der Gesellschaft befassen. Kontextuelle Theologie bildet dabei die Basis für den interreligiösen Dialog und die konkrete, praktische Zusammenarbeit über die Religionsgrenzen hinweg zur gemeinsamen Behandlung von Herausforderungen.
Die gutbesuchten Seminare und Vorträge umfassten spezifische brennende Themen wie Klimawandel, gesellschaftliche Gewalt und Trauma, sowie Geschlechterrollen und Machtverhältnisse. Ebenso wurde über Tradition und LGBQTIA+, Ekklesiologie sowie interreligiöse Beziehungen und Meinungsfreiheit vertieft informiert. Zahlreiche Teilnehmende bestätigten, dass eine nachhaltige Diskussion in Kirche und Gesellschaft noch weitere Anstrengungen erfordert, welche die Ebenen Diskurs, Lehre und Praxis umfassen. Denn die Themen der Seminare und Vorträge sind in der Gesellschaft nach wie vor umstritten und können daher potenziell zu Konflikten führen. Die theologische Bildung im Sinne einer Ausbildung von zukünftigen gesellschaftlichen Führungskräften, kann hierbei eine wichtige Rolle einnehmen.
Basisgemeinschaften und Gruppierungen der Zivilgesellschaft werden gestärkt, um ihr Leben selbstbestimmt und eigenständig gestalten zu können und gesellschaftliche Prozesse aktiv mitzutragen. Die kirchlichen und weitere zivilgesellschaftliche Ansprechpersonen haben dabei eine Schlüsselfunktion: Durch die Vermittlung einer kontextuellen Theologie, welche die aktuellen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen reflektiert und in Bezug zur Praxis setzt, werden die Studierenden und zukünftigen Pfarrpersonen dazu befähigt, wirkungsvoller auf akute gesellschaftliche Probleme einzugehen.
Die Studierenden sowie die Leitungs- und Lehrpersonen theologischer Ausbildungsinstitute sind die primären Zielgruppen dieses Projektes. Die Studierenden werden als angehende Pfarrpersonen oder anderweitige Aktive später wichtige «Akteur*innen des Wandels» und Führungspersönlichkeiten in Kirche und Gesellschaft, die sich in ihrem Umfeld für Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Die Haltung, die ihnen im Studium vermittelt wird, hat entscheidenden Einfluss auf die Wirkung kirchlicher und gesellschaftlicher Entwicklungsprogramme. Somit leisten die Ausbildungsstätten, die theologischen Verbände und das Verlagshaus einen konkreten Beitrag zu einer solidarischen und friedlichen Gesellschaft. Indirekte Teilnehmende sind Kirchengemeinden, akademische Gemeinschaften und politische Entscheidungstragende in Kirchen, Wissenschaft und Gesellschaft.
Direkte Projektteilnehmer*innen: 2’429
Indirekte Projektteilnehmer*innen: Rund 8’300
Im Jahr 2025 vertieften die Partnerorganisationen die kontextuelle theologische Bildung weiter und setzten den mehrjährigen Prozess fort, akademisches Lernen stärker mit praktischem Engagement in den Gemeinden zu verbinden. Unterstützt von Mission 21 produzierten sie Broschüren, organisierten Kurse und öffentliche Gespräche und ermutigten dadurch Studierende, Lehrende und engagierte Gemeindemitglieder, theologische Reflexion in gesellschaftliches Handeln zu übersetzen – zum Beispiel in interreligiöse Zusammenarbeit oder in dem Kontext angepasstes kirchliches Engagement.
Im Projekt-Monitoring wird sichtbar, dass mehr Personen teilnahmen. Diese berichteten, dass sie sich auch aktiver in sozialen und politischen Prozessen einbrachten. Befragungen zeigen zudem, dass Lerninhalte zunehmend in lokale Foren, Gemeindedialoge und thematische Initiativen weitervermittelt werden.
Mehrere Institutionen nahmen strukturelle Verbesserungen vor, darunter Anpassungen der Lehrpläne, Schritte zur Akkreditierung der Institution und die Ausweitung kontextueller Publikationen. Viele theologische Schulen entwickelten oder implementierten zudem Richtlinien für die Prävention von sexuellem Missbrauch, sexueller Ausbeutung und Belästigung (PSEAH). Sie richteten auch entsprechende Taskforces ein, wodurch sie die Schutzstandards stärker institutionell verankern konnten.
Unsere Partnerorganisationen brachten Zugänge zur Bildung zu den Menschen vor Ort: Sie boten gemeindebezogene theologische Weiterbildung und andere flexible Lernformate an für Frauen, berufstätige Erwachsene und andere Menschen in abgelegenen Regionen. So konnten diese an Lernangeboten teilnehmen, ohne ihr Umfeld zu verlassen – ein zentraler Baustein bei der Förderung von „Agents of Change“.
Rückmeldungen zeigen, dass die Teilnehmenden mehr an Selbstvertrauen, analytischer Stärke gewannen und eine höhere Bereitschaft zeigten, Themen wie Umweltgerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Religionsfreiheit anzugehen. Mehrere Lerngruppen initiierten zudem erste Elemente kollektiver Teilhabe und organisierten öffentliche Gespräche oder gemeinschaftliche Aktionen.
Podcast zum Thema Christ*innen in China
In China wächst die Zahl der Christinnen und Christen rasant. Die offiziell registrierten Kirchen florieren, hinzu kommen Gemeinden, die sich der Kontrolle der Staates entziehen. Der chinesische Staat versucht, die Kirchen zu kontrollieren und fürchtet zugleich, dass sich die Loyalität der Christinnen und Christen weg von der Partei hin zur Religion verschiebt. Im Podcast erklärt Brandner, wie die Bibel an Aktualität gewinnt, wenn sie in eine durch Repression geprägte Lebenswelt hineinspricht. Und er sagt, weshalb das Christentum keine westliche, sondern eine globale Religion ist.

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