Südsudan, Friedensförderung

Friedens- und Versöhnungsarbeit, Stärkung von Frauen und Jugendlichen

Projektsumme: CHF 149'500 (2019)
Projektnummer: 179.1003

Der Südsudan wird seit 2013 von einem schweren Konflikt heimgesucht, der sich 2016 erneut zugespitzt hat. Im September 2018 wurde ein Friedensvertrag geschlossen. Nun steht dessen Umsetzung auf allen Ebenen an. Friedensförderung und Versöhnungsarbeit sind wichtiger denn je. Die Kirchen spielen eine wichtige Rolle dabei, die Versöhnung in der gespaltenen Gesellschaft herbeizuführen. Mission 21 unterstützt das Engagement ihrer Partnerkirche, der Presbyterianischen Kirche des Südsudan (PCOSS), sowie des Südsudanesischen Kirchenbundes. Die Projektarbeit fördert den Aufbau gewaltloser und gerechter Beziehungen über ethnische und religiöse Grenzen hinweg. Trauma- und Versöhnungsarbeit helfen den Menschen, mit dem Erlebten umzugehen, ohne mit erneuter Gewalt zu reagieren.

Hintergrundinformationen

Der Südsudan hat 2011 nach anhaltendem Bürgerkrieg die Unabhängigkeit vom Sudan erlangt. Seit dem politischen Konflikt von 2013 kam es erneut zu Massakern an der Zivilbevölkerung. Millionen von Menschen wurden vertrieben. Anlass für Konflikte ist nebst den politischen Fragen auch der Kampf um Ressourcen. Im September 2018 wurde ein Friedensvertrag geschlossen. Da die südsudanesische Regierung schwach ist und kaum finanzielle Mittel hat, um den Frieden auf allen Ebenen zu fördern, ist und bleibt die Kirche eine wichtige Friedensstifterin. Die Presbyterianische Kirche (PCOSS) ist die drittgrösste Kirche des Landes und Partnerkirche von Mission 21. Sie unterstützt die Friedens- und Versöhnungsarbeit. Gestärkt werden besonders Kinder, Jugendliche und Frauen. Jugendliche unter 24 Jahren machen 62% der Bevölkerung aus. Sie sind Zukunft und Hoffnung des Landes. Zugleich sind sie besonders von gewaltsamen Auseinandersetzungen betroffen.

Erfahrungen haben gezeigt, dass Frauen eine wichtige Rolle in der Friedensförderung einnehmen. Frauen hatten jedoch im von Männern dominierten Südsudan bisher kaum eine Stimme. Sie zu stärken, ist ein wichtiges Anliegen der PCOSS.

Projektziele

Die PCOSS stärkt die Fähigkeiten der Zielbevölkerung betreffend Friedens- und Versöhnungsarbeit und bietet psychosoziale Unterstützung.

Zielgruppe

Bei der Friedens- und Versöhnungsarbeit werden alle Ethnien berücksichtigt und miteinbezogen und Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten angesprochen. Ein besonderer Fokus liegt auf Frauen und Jugendlichen.

Aktivitäten

Methodisch setzt die Partnerorganisation auf das Prinzip des «Training of Trainers»: Es werden Kursleitende ausgebildet. So wird Wissen weitergetragen und weitere Kreise der Bevölkerung werden erreicht. In den Trainings werden gewaltfreie Konfliktlösung sowie Möglichkeiten zur Versöhnung besprochen. Teilnehmer werden ermutigt, sich über ethnische Grenzen hinweg versöhnlich zu zeigen. 

  • «Training of trainers»: Multiplikatoren lernen, wie Friedensarbeit umgesetzt werden kann und können ihr Wissen weitervermitteln. Sie sind darin geschult, psychologische Unterstützung für die Bevölkerung des Südsudans und die Mitglieder der Partnerorganisationen zu leisten.

  • Erarbeitung internationaler, nationaler und regionaler Friedens- und Advocacy-Initativen

  • Aufbau einer starken Kernstruktur der Partnerorganisationen

  • Führungstrainings für Frauen und Jugendliche

  • Aufbau von Strukturen, um die Friedensarbeit auf nationaler und regionaler Ebene zu ermöglichen

  • «Peace Missions»: Besuche bei der Diaspora und Solidaritätsbesuche

Projektfortschritt

Die Friedensarbeit entwickelt sich zu einem wichtigen Bestandteil aller Projekte von Mission 21 im Südsudan. An den Ausbildungsstätten Nile Theological College und Giffen Institute of Theology werden neu Module zum Thema Frieden angeboten. Die Projektkoordinatoren durchlaufen eine Ausbildung zu «Peace Mobilizern». Das heisst, sie bringen ihr Wissen zur Friedens- und Versöhnungsarbeit in die Projektarbeit ein.

2018 ist die Arbeit der «Peace Missions» angelaufen. Sie dient dazu, im Ausland auf die Situation im Südsudan aufmerksam zu machen, besonders in Gebieten mit grosser südsudanesischer Diaspora.

Nach der psychosozialen Unterstützung für Kinder, Frauen und Männer besteht weiter eine deutliche Nachfrage.

Die bisherige Arbeit zeigt Wirkung: Theologen und Theologinnen lassen ihr Wissen in den Gottesdiensteinfliessen und Lehrer und Lehrerinnen nehmen es mit in ihren Schulunterricht. Besonders in der Frauenarbeit ist Friedensarbeit ein grosses Thema.

 

Ausblick: Projektausbau

Das oben beschriebene Projekt soll aufgrund der aktuellen Situation in der laufenden Projektphase erweitert werden. Ziel des Projektausbaus ist es, noch mehr Menschen zu erreichen. Besonders die Südsudanesen in der Diaspora sind wichtige Akteure und können sich für den Frieden einsetzen. Sie leben in anderen Ländern oder auch in Lagern für intern vertriebene Menschen.

Training zur Friedensförderung soll ein Teil aller von Mission 21 geförderten Projekte im Südsudan sein. Es geht beim Projektausbau unter anderem darum, die Themen Frieden und Versöhnung sowie die Verarbeitung von Kriegserlebnissen in allen Projekten noch stärker zu verankern. 

Spenden fliessen zunächst das oben beschriebene Basisprojekt. Bei ausreichender Finanzierung sind zusätzliche Aktivitäten in den einzelnen Projekten des Kooperationsprogramms Südsudan vorgesehen:

  • Am Nile Theological College (NTC), einer theologischen Ausbildungsstätte in Juba, sollen vermehrt Workshops und Kurse mit professionell geschulten Trainern zum Thema Frieden und Versöhnung durchgeführt werden. Details zum NTC finden sich unter dem Projekttitel «Religion als Faktor für Frieden und Entwicklung im Südsudan» (Projektnr. 179.1015)

  • Auch am Giffen Institute of Theology sind solche Angebote in Planung. Mehr Informationen unter der Projektnr. 179.1024 oder dem Titel «Erwachsenenbildung für die Gestaltung der Zukunft».

  • In Nordkenia unterhält Mission 21 eine Hebammenschule. Die Ausbildung der Hebammen wird ergänzt mit Unterricht zum Thema Frieden und Versöhnung. Die Arbeit der Hebammen erstreckt sich auf unterschiedliche Ethnien, die teils verfeindet sind. Eine Sensibilisierung und Hilfestellung zum Umgang mit dem Thema sind deshalb von grosser Bedeutung. Informationen zum entsprechenden Projekt finden sich unter dem Titel «Hebammenschule: Leben für Mütter und Kinder» (Projektnr. 179.1022)

  • Im Bezirk Pochalla führt Mission 21 ein Projekt zu Landwirtschaft und Existenzsicherung. In Pochalla kam es mehrfach zu gewalttätigen Übergriffen. Zusätzlich zur Projektarbeit im landwirtschaftlichen Sektor gewinnt die Friedensarbeit auch hier an Bedeutung und professionelle Friedenstrainings werden in die Projektaktivitäten aufgenommen. Mehr Informationen dem Titel «Ernährungs- und Existenzsicherung in ländlichen Gebieten» (Projektnr. 179.1021)

  • Im Projekt «Bildung für die Zukunft: Schulen und Kinderheim» (Projekt-Nr. 179.1010) sind Trainings in den Bereichen Friedensarbeit und Versöhnung sowie psychologischer Unterstützung Teil der Lehrpläne. Lehrpersonen werden im Umgang mit traumatisierten Kindern geschult. Diese Schulungen sollen ausgebaut werden.