Peru, Bildung

Konflikte bewältigen, Gewalt überwinden

Projektnummer: 476.1011

In einem Umfeld, das von Armut sowie häuslicher und politisch-institutioneller Gewalt geprägt ist, bietet das «Centro de Espiritualidades Emaús» Gewaltopfern einen individuellen Begleitungs- und Beratungsdienst an. 2013 hat die Institution ihr Engagement im Bereich Bildung erweitert. Sie bietet sowohl an Schulen als auch in öffentlichen und privaten Institutionen Kurse zum Thema Gewalt, Konflikttransformation, gewaltfreie Kommunikation und Erziehung an.

Hintergrundinformationen

82 Prozent der Menschen, die in Peru von extremer Armut betroffen sind, leben in ländlichen Gebieten sowie im südandinen Raum und in der Region Puno. Betroffen sind vorwiegend die indigenen Quechua und Aymara, die oft auch unter Rassismus und Diskriminierung leiden. Dies führt zunehmend zu sozialen Spannungen, Frustration und innerfamiliärer Gewalt. Hinzu kommt, dass auch in dieser Region Perus der Zentralismus, die Erfahrungen mit dem autoritären Fujimori-Regime und Korruption schwer zu überwinden sind. Zwar soll der Staat dezentralisiert, die Bevölkerung an den politischen Entscheidungen beteiligt und für ihre demokratischen Grundrechte und -werte sensibilisiert werden. Doch der laufende Demokratisierungsprozess kommt nur stockend voran.

Dasselbe gilt für die Umsetzung der Empfehlungen der Wahrheits- und Versöhnungskommission. Deren Aufgabe bestand darin, Gewaltverbrechen aufzuarbeiten, die während des Konflikts zwischen der Guerillaorganisation «Sendero Luminoso» (Leuchtender Pfad) und dem peruanischen Staat in den Jahren von 1980 bis 2000 begangen wurden. Der Krieg hat die gesellschaftlichen Ungleichheiten sowie die soziale und ethnische Diskriminierung verstärkt. Ausserdem zerstörte er demokratische Strukturen und es entstand eine Kultur des Misstrauens und der Angst. Auch die Armut des Landes nahm zu.

Projektziele

• Das soziale Umfeld in schulischen Einrichtungen ist verbessert

• Schülerinnen und Schüler der Zielgruppe engagieren sich politisch und gesellschaftlich

• Konflikte zwischen Eltern und Kindern werden gewaltfrei ausgetragen

Zielgruppe

Die von Mission 21 finanzierte Bildungsarbeit richtet sich an 651 Schülerinnen und Schüler von zwei Sekundarschulen sowie deren Eltern und 25 Lehrpersonen. Zudem werden 8 Frauen der Quartierorganisation «La Victoria» zu Begleitpersonen ausgebildet.

Aktivitäten

• In den Schulen werden in Workshops die Formen und Ursachen der Gewalt analysiert und gemeinsam Strategien zur Prävention von Gewalt im schulischen und familiären Kontext erarbeitet. Die Beteiligten erlernen Techniken zur erfolgreichen und gewaltfreien Kommunikation, Mediation, Deeskalation und gewaltfreien Lösung von Konflikten.

• Workshops zu gesellschaftspolitischen Themen für Jugendliche

• Frauen der Quartierorganisation «La Victoria» werden zu Familienbegleiterinnen ausgebildet.

Projektfortschritt 2018

• Die Workshops für Schüler und Schülerinnen sowie für Lehrpersonen fanden grossen Anklang, was unter anderem die sehr gut besuchte Abschlussveranstaltung für alle Teilnehmenden deutlich zeigte. 75 Prozent der Jugendlichen erklärten, dass die Konflikte im schulischen sowie im familiären Bereich deutliche abgenommen hätten. Auch die Eltern der Jugendlichen wurden in das Ausbildungsprogramm eingebunden und bestätigten die Aussagen ihrer Kinder ausdrücklich.

• Jugendliche und deren Eltern haben Vorschläge erarbeitet, wie Jugendlichen durch sportliche und künstlerische Freizeitaktivitäten zu mehr Lebensfreude verholfen werden kann.

• Im Vergleich zu den Vorjahren nehmen deutlich mehr Väter an den Elternkursen teil. Das kritische Hinterfragen traditioneller Rollenbilder war ein wichtiger Aspekt der Ausbildungstätigkeit.