Costa Rica, Bildung

Solidarisches Handeln durch kontinental vernetzte Ausbildung

Projektnummer: 428.1205

Die Lateinamerikanische Bibeluniversität, Universidad Bíblica Latinoamericana (UBL), ist eine theologische Hochschule in San José, Costa Rica. Ihre Grundsätze sind ökumenische Offenheit, ganzheitliche Spiritualität, Engagement für den Frieden und eine besondere Sensibilität gegenüber der ethnischen Vielfalt Lateinamerikas. Die UBL fördert in ihrer Bildungsarbeit die Sensibilität für Gendergerechtigkeit, Umweltthemen und alternative Wirtschaftsmodelle, die sich am «Guten Leben» für alle orientieren. Das Bildungsangebot der UBL steht allen offen und richtet sich an Menschen in ganz Lateinamerika. Neben der universitären Ausbildung bietet das Biblisch-Pastorale Institut (IBP) der UBL theologische Kurse an, die theologisches Grundwissen vermitteln.

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Hintergrundinformationen

Lateinamerika wird in religiöser Hinsicht immer pluralistischer. Gleichzeitig nehmen politisch-religiös gefärbte Fundamentalismen, welche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit untergraben, in besorgniserregender Weise zu.

Vor diesem Hintergrund hat die Aus- und Weiterbildung im theologischen Bereich an Bedeutung gewonnen. In einem zunehmend feindlichen Klima der Ausgrenzung und Intoleranz engagieren sich die theologischen Partnerorganisationen von Mission 21 mit ihren verschiedenen Bildungsangeboten für die gesellschaftliche Inklusion von Andersdenkenden und von ethnischen und sozialen Minderheiten.

Mit ihrem reflektierenden und differenzierenden Zugang zu Theologie und Religion ist die UBL dazu qualifiziert, an der Thematik der zunehmenden Fundamentalismen in Costa Rica und in ganz Lateinamerika zu arbeiten und sich für Diversität in Gesellschaft und Kirche einzusetzen. Ein Studium an der UBL bietet vielen jungen Menschen die Möglichkeit, ihr theologisches Wissen zu vertiefen und sich kritisch mit theologischen und gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen.

Projektziele

Die UBL trägt mit ihren Aktivitäten zu den Oberzielen des Kernthemas «Bildung» und des Arbeitsbereiches «Theologische Ausbildung» bei.

Oberziel Kernthema «Bildung»: Die Zielbevölkerung ist in ihren Kompetenzen gestärkt und befähigt, das Leben selbstbestimmt und eigenständig zu gestalten und gesellschaftliche Prozesse aktiv mitzutragen.

Oberziel Arbeitsbereich «Theologische Ausbildung»: Die Zielgruppe ist befähigt, sich auf ökumenischer Grundlage mit Themen des Glaubens und der Gesellschaft kritisch auseinanderzusetzen.

Zielgruppe

Die UBL steht allen Menschen offen, die an einem Theologiestudium interessiert sind. Über die Studierenden kommt die Bildungsarbeit den verschiedenen Kirchen in einer grossen Anzahl von Ländern Lateinamerikas zugute.

Aktivitäten

Neben den Programmen auf Universitätsniveau – «Bachillerato», Lizentiat und Master in den zwei Fachbereichen Bibel und Theologie – werden auch Kurse angeboten, die nicht zu einem Hochschulabschluss führen. Ausserdem wird im Biblisch-Pastoralen Institut (IBP), das Teil der UBL ist, theologisches Basiswissen vermittelt.

Der kontextuellen Theologie verpflichtet hat die UBL vor zwei Jahren beschlossen, "das planetare Leben" zu einem neuen Schlüsselaspekt der Lehre, Forschung und des Gemeinschaftslebens zu machen. Dafür hat die UBL 2020 die Zertifizierung von Green Seminary erhalten. «Unser Standort in Mittelamerika, einem Ort der sehr anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels ist, bietet gleichzeitig auch einen privilegierten Kontext an, von dem aus wir Umweltgerechtigkeit durch theologische Reflexion und missionarisches Handeln ansprechen können» so Elisabeth Cook, Rektorin der UBL.Mission 21 unterstützt die UBL mit einem Beitrag an die Löhne von Dozierenden und vergibt Stipendien.

Seit Januar 2018 steht das Ehepaar Ángel Román und Simone Dollinger für Mission 21 vor Ort im Einsatz. Ángel Román widmet sich vorwiegend der Lehre und Forschung an der UBL, Simone Dollinger arbeitet als Projektkoordinatorin unserer theologischen Partner. 

Ende 2019 hat die UBL einen umfassenden Forschungsbericht über die längerfristige Wirkung der theologischen Ausbildung auf soziale Transformationsprozesse veröffentlicht.

Die Studie zeigt, dass das Ausbildungsmodell der UBL kritisches Denken fördert und so zu einem Umdenken bei den Studierenden führt und zeigt wie Theologie in einen Bezug gesetzt werden kann mit konkreten sozialen Herausforderung in Kirche und Gesellschaft. Während der akademischen Ausbildung vollziehen die Studierenden einen Transformationsprozess. Der äussert sich darin, dass die Studierenden ihre bisherige oft konservative theologische Ausbildung hinterfragen und die Aufgabe der Theologie für die Gesellschaft neu entdecken. Die UBL ermöglicht ihren Studenten aber auch, sich mit sogenannten Tabuthemen in kirchlichen und theologischen Ausbildungskreisen zu befassen wie beispielsweise Gender, Sexualität, Feminismus und die latente und schmerzliche Realität der Feminizide

«Ich bekräftige immer, dass die UBL mein Leben, mein Denken und Fühlen in der Welt, in der Gesellschaft, in der Theologie, kurz in der Bibel tief geprägt hat, ein Vorher und Nachher, dass ich nicht ignorieren kann. Ein kritischer Blick auf die Realität und eine von Frauen geprägte Theologie, Vielfalt, Interkulturalität und Pluralismus haben mich dazu gebracht, dass meine Betrachtungsweise und meine Ethik reifen konnten» (Eva).

Projektfortschritt

2020 waren im universitären Programm insgesamt 163 Studierende aus 18 Ländern eingeschrieben. Sie gehören 12 verschiedenen christlichen Konfessionen an. Der Frauenanteil beträgt 49%. 14 Studierende erhielten über Mission 21 ein Stipendium. 15 Personen haben einen akademischen Studienabschluss erworben.